Social Media hat ständig Hunger

4 Min. Lesezeit
80 Prozent der deutschen Unternehmen sind heute in Social Media präsent. Doch einen Account anzulegen ist einfach. Ihn regelmäßig mit relevantem Content zu füttern, ist eine ganz andere Geschichte.

Social Media ist längst im Unternehmensmarketing angekommen. Laut Bitkom haben 80 Prozent der deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten mindestens ein eigenes Social-Media-Profil. 43 Prozent sind auf YouTube vertreten, 36 Prozent auf LinkedIn und 35 Prozent auf Instagram.

Und dann beginnt die eigentliche Arbeit.

Denn Social Media hat ständig Hunger. Nach neuen Geschichten, Bildern, Videos, Reels und Posts.

Wo bleibt der Content?

Wie schwierig es sein kann, Social-Media-Kanäle regelmäßig mit Content zu bespielen, zeigen Zahlen aus dem deutschen Handel: 46 Prozent der Unternehmen mit Social-Media-Präsenz fällt es schwer, regelmäßig Inhalte zu posten. 34 Prozent haben Schwierigkeiten, interessante Inhalte zu erstellen.

Das ist keineswegs nur ein Problem des Handels. Eine internationale Studie des Content Marketing Institute (CMI) und MarketingProfs zeigt: 45 Prozent der befragten B2B-Marketer fehlt ein skalierbares Modell für die Content-Produktion. 54 Prozent nennen fehlende Ressourcen als Herausforderung.

Dabei mangelt es Unternehmen selten an Geschichten.

Neue Produkte. Erfolgreiche Projekte. Spannende Kunden. Menschen mit Know-how. Messen und Veranstaltungen. Entwicklungen im Markt.

Eigentlich jede Menge Futter.

Die Herausforderung besteht darin, daraus kontinuierlich guten Content zu machen.

Warum geht das bei Creators scheinbar schneller?

Ein Creator hat eine Idee, nimmt die Kamera oder das Smartphone, dreht, schneidet und veröffentlicht. Häufig liegen Idee und fertiger Content erstaunlich nah beieinander.

Unternehmen funktionieren anders. Nicht weil sie Social Media nicht verstanden hätten, sondern weil Unternehmenskommunikation andere Anforderungen erfüllen muss.

Ist unser Produktpartner genannt? Ist das neue Wording eingeflossen? Sprechen wir die Sprache unserer Zielgruppe? Stimmt die Produktaussage? Entsprechen Farben und Animationen unserer CI? Brauchen wir einen bestimmten Abspann? Und haben Produktmanagement, Vertrieb oder Corporate Communications relevanten Input?

Das alles kostet Zeit. Und vieles davon ist vollkommen berechtigt. Denn aus einem schönen Video wird nicht automatisch gute Unternehmenskommunikation.

Mehr Verantwortung. Mehr Abstimmung. Trotzdem mehr Tempo.

Während ein Creator meist selbst entscheidet, was und wie er veröffentlicht, tragen in Unternehmen mehrere Personen Verantwortung für die Kommunikation. Produktmanagement, Vertrieb, Marketing und gegebenenfalls externe Partner müssen ihre Perspektiven einbringen können.

Das braucht Zeit. Und diese Zeit ist gut investiert, wenn dadurch die Inhalte fachlich richtig, markenkonform und für die Zielgruppe relevant sind.

Die Frage ist also nicht, wie man Abstimmungen vermeidet. Sondern wie sich die Produktion so organisieren lässt, dass aus einer abgestimmten Geschichte möglichst viel Content entsteht.

Mit einer klaren Planung, definierten Botschaften und gut vorbereiteten Drehs lassen sich Inhalte produzieren, die anschließend für unterschiedliche Formate und Kanäle aufbereitet werden können.

Einmal gemeinsam abgestimmt. Vielfach genutzt.

So gewinnt Unternehmenskommunikation an Tempo, ohne dass die notwendige Abstimmung auf der Strecke bleibt.

Ein Drehtag ist nicht ein Video

Auch bei der Produktion selbst lohnt sich ein anderes Denken.

Wenn die richtigen Personen ohnehin vor der Kamera stehen, können an einem Termin mehrere kurze Statements entstehen. Dazu ein Interview, Fotos, Behind-the-Scenes-Material oder Antworten auf typische Kundenfragen.

Aus einer Produktion entstehen so Inhalte für mehrere Wochen.

Das ist ein Prinzip, das Creator längst beherrschen: nicht jedes Mal bei null anfangen, sondern Material intelligent nutzen, Formate adaptieren und kontinuierlich veröffentlichen.

Unternehmen können davon lernen, ohne ihre eigenen Anforderungen über Bord zu werfen.

Denn es geht nicht um Creator versus Marketingabteilung. Und auch nicht um schnell versus professionell. Es geht darum, die Geschwindigkeit und das Produktionsdenken der Creator-Welt mit den Anforderungen professioneller Unternehmenskommunikation zusammenzubringen.

Social Media braucht Tempo. Unternehmenskommunikation braucht Abstimmung. Gute Content-Produktion kann beides.

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Quellen:

1. Bitkom (2025): „8 von 10 deutschen Unternehmen haben ein Social-Media-Profil“

2. Bitkom (2025): „Social Media: Handel tut sich schwer mit regelmäßigen Posts“

3. Content Marketing Institute / MarketingProfs (2024): „B2B Content Marketing Benchmarks, Budgets, and Trends: Outlook for 2025“. Internationale B2B-Marketingstudie.

4. Content Marketing Institute (2025): „Enterprise Content Marketing Benchmarks, Budgets, and Trends: Outlook for 2025“. Untersuchung zu Content-Marketing-Herausforderungen in großen Unternehmen.

Peter Kasprzyk

Peter M. Kasprzyk

... ist Co-Founder von Communeer und Marketing Entrepreneur. Der bekennende Trekkie spielt Bass in einer Band, rockt aber zur Entspannung im Büro auch mal gerne den Blues auf der Gitarre. Er schreibt hier über Content und Inbound Marketing sowie strategische Themen.