Feed your Feed: Wie oft ist oft genug?

5 Min. Lesezeit
Social Media hat ständig Hunger. Aber wie oft müssen Unternehmen LinkedIn, Instagram und Co. eigentlich füttern? Täglich? Dreimal pro Woche? Oder reicht auch weniger? Ein Blick auf die Forschung zeigt, warum Content so schnell an Aufmerksamkeit verliert – und weshalb mehr Posts nicht automatisch mehr Reichweite bedeuten.

Der Feed hat ein Kurzzeitgedächtnis

Kaum ist ein Beitrag veröffentlicht, rutscht er im Feed schon wieder nach unten. Neue Posts, Videos, Reels und Stories drängen nach. Was heute noch Aufmerksamkeit bekommt, kann morgen bereits vergessen sein.

Das ist nicht nur ein Gefühl.

Eine Studie von Wissenschaftlern um Philipp Lorenz-Spreen, veröffentlicht 2019 in Nature Communications, zeigt, dass sich die Dynamik kollektiver Aufmerksamkeit beschleunigt. Die Forscher untersuchten unter anderem, wie lange Themen auf Twitter, in Suchanfragen und anderen Medien die Aufmerksamkeit der Menschen binden.

Das Ergebnis: Je größer das Informationsangebot, desto schneller wechseln die Themen, mit denen wir uns beschäftigen.

Für Unternehmen bedeutet das: Sie konkurrieren nicht nur mit anderen Marken um Aufmerksamkeit. Sondern mit allem, was täglich in unseren Feeds erscheint.

Und das wird nicht weniger.

Wie lange lebt ein Social-Media-Post?

Eine interessante Antwort liefert der Autor und Experte Scott M. Graffius. Für seine regelmäßig aktualisierte Untersuchung Lifespan (Half-Life) of Social Media Posts analysierte er Daten aus Millionen von Social-Media-Beiträgen.

Im Mittelpunkt steht die sogenannte Halbwertzeit eines Posts. Sie beschreibt die Zeitspanne, in der ein Beitrag 50 Prozent seiner gesamten Interaktionen erzielt.

Die Ergebnisse der Untersuchung von 2026 zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Plattformen:

  • Facebook: rund 86 Minuten
  • Instagram: rund 18 Stunden
  • LinkedIn: rund 23 Stunden

Das bedeutet nicht, dass ein Beitrag danach verschwindet oder keine Reichweite mehr erzielt. Aber ein großer Teil seiner Interaktionen findet innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitfensters statt.

Besonders interessant: Selbst auf LinkedIn, wo fachliche Inhalte häufig länger relevant bleiben, wird ein erheblicher Teil der Aufmerksamkeit bereits am ersten Tag erzielt.

Der Feed wird also schnell wieder hungrig.

Wie oft sollten Unternehmen posten?

Die gute Nachricht: Unternehmen müssen nicht rund um die Uhr Content produzieren, um sichtbar zu bleiben.

Als praktikable Ausgangsbasis für viele Unternehmensaccounts empfehlen wir:

  • LinkedIn: 2 bis 4 Beiträge pro Woche.
    Für B2B-Unternehmen ist LinkedIn häufig der wichtigste Social-Media-Kanal. Fachwissen, Kundenprojekte, Einblicke ins Unternehmen und persönliche Perspektiven können hier gut funktionieren. Entscheidend ist weniger die tägliche Präsenz als die regelmäßige Veröffentlichung relevanter Inhalte.
  • Instagram: 3 bis 5 Beiträge oder Reels pro Woche.
    Instagram lebt stärker von visuellen Impulsen. Gerade für B2C-Marken, Recruiting und Employer Branding können Fotos, kurze Videos und Reels eine wichtige Rolle spielen. Stories ergänzen die Kommunikation und ermöglichen spontane Einblicke.
  • Facebook: 2 bis 4 Beiträge pro Woche.
    Auch Facebook kann für bestimmte Zielgruppen, regionale Unternehmen und Communities relevant sein. Wie häufig gepostet werden sollte, hängt hier besonders stark von der Zielgruppe und den vorhandenen Inhalten ab.

Diese Zahlen sind keine allgemeingültigen Regeln. Sie sind ein sinnvoller Ausgangspunkt, um Erfahrungen zu sammeln und die eigene Veröffentlichungsfrequenz zu optimieren.

Denn jede Zielgruppe reagiert anders.

Mehr Content ist nicht automatisch mehr Wirkung

Wer fünfmal pro Woche veröffentlicht, ist nicht zwangsläufig erfolgreicher als ein Unternehmen mit zwei guten Beiträgen.

Ein fachlich relevanter LinkedIn-Post kann mehr qualifizierte Kontakte erreichen als eine ganze Woche mit austauschbaren Unternehmensmeldungen. Ein authentisches Video kann auf Instagram mehr Aufmerksamkeit erzeugen als mehrere schnell produzierte Grafiken.

Und manchmal ist ein Beitrag, der eine echte Frage beantwortet, wertvoller als fünf Posts, die lediglich daran erinnern, dass es das Unternehmen noch gibt.

Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten: Wie oft posten wir? Sondern auch: Haben wir regelmäßig etwas zu erzählen, das unsere Zielgruppe wirklich interessiert?

Nicht jeden Tag neu kochen

In unserem Beitrag „Social Media hat ständig Hunger“ haben wir bereits beschrieben, warum kontinuierliche Content-Produktion für viele Unternehmen eine Herausforderung ist.

Dabei fehlt es selten an Themen. Viel häufiger fehlt die Zeit, aus vorhandenen Geschichten regelmäßig veröffentlichungsfähigen Content zu machen.

Die Lösung muss deshalb nicht darin bestehen, ständig neue Inhalte zu erfinden.

Ein Kundeninterview kann beispielsweise Material für mehrere kurze Videos liefern. Ein Fachartikel lässt sich in einzelne LinkedIn-Posts übersetzen. Aus einem Drehtag entstehen Fotos, Statements, Reels und kurze Clips für unterschiedliche Kanäle.

Entscheidend ist, Content von Anfang an so zu produzieren, dass er mehrfach und in verschiedenen Formaten genutzt werden kann.

Ein Thema. Mehrere Perspektiven. Viele Möglichkeiten.

Das reduziert den Produktionsaufwand und sorgt gleichzeitig für einen kontinuierlichen Strom relevanter Inhalte.

Der richtige Rhythmus ist der, den man durchhält

Wer mit Social Media erfolgreich sein möchte, braucht keinen möglichst vollen Redaktionskalender. Sondern einen realistischen.

Lieber drei gute Beiträge pro Woche über mehrere Monate als zwei Wochen tägliche Posts und anschließend sechs Wochen Funkstille. Denn Social Media ist kein Sprint. Es ist kontinuierliche Kommunikation mit Menschen, die sich für bestimmte Themen, Produkte oder Marken interessieren.

Wie häufig Unternehmen veröffentlichen sollten, hängt deshalb von drei Faktoren ab: den Erwartungen ihrer Zielgruppe, der Relevanz ihrer Inhalte und den verfügbaren Ressourcen. Die richtige Frequenz entsteht dort, wo diese drei Faktoren zusammenpassen.

Social Media hat ständig Hunger. Aber es muss nicht jeden Tag ein Fünf-Gänge-Menü sein.

Feed your Feed. Wir tischen auf.

Wir helfen Unternehmen, aus ihren Themen regelmäßig relevanten Content zu machen. Mit Videos, Bildern, Animationen und Posts, die professionell produziert, effizient aufbereitet und fertig für die eigenen Social-Media-Kanäle sind.

Damit dein Feed regelmäßig etwas Gutes bekommt. Ohne dass du jeden Tag neu kochen musst.

Lass uns darüber sprechen.


Quellen:

1. Lorenz-Spreen, P., Mønsted, B. M., Hövel, P. & Lehmann, S. (2019): Accelerating dynamics of collective attention

2. Graffius, Scott M. (2026): Lifespan (Half-Life) of Social Media Posts: Update for 2026

3. Communeer (2026): Social Media hat ständig Hunger

Peter Kasprzyk

Peter M. Kasprzyk

... ist Co-Founder von Communeer und Marketing Entrepreneur. Der bekennende Trekkie spielt Bass in einer Band, rockt aber zur Entspannung im Büro auch mal gerne den Blues auf der Gitarre. Er schreibt hier über Content und Inbound Marketing sowie strategische Themen.